Tour zu den Bergorchideen

Zu einem meiner besonderen Interessengebieten - auch fotografisch - zählen die heimischen Orchideen. Die verschiedenen Knabenkräuter, wie sie oft auf Feuchtwiesen des Alpenvorlandes vorkommen, vor allem aber der prachtvolle Frauenschuh, der einer tropischen Orchidee schon sehr nah kommt, sind den meisten Menschen ein Begriff.

Weniger bekannt sind die zierlichen Kohlröschen (Nigritella), die schon wegen der meist in den Alpen oberhalb 1300 Meter gelegenen Standorte nur wenigen Kennern als heimische Orchideenart geläufig sind. Sie blühen meist ab Ende Juni bis Mitte Juli, Besonders berühmt für seine alpine Blütenpracht ist das Naturschutzgebiet rund um den Geigelstein, welcher deshalb auch zu den Hausbergen der Rosenheimer zählt. Gleich gegenüber im Priental liegt das Gebiet der Feichtenalm, das man mit einer zweistündigen Bergwanderung vom Spitzstein aus erreichen kann. So machten wir uns also am letzten Samstag schon zeitig auf, um der zu erwartenden Sommerhitze zu entgehen und schon am Vormittag zur Alm zu kommen.

Auf der Feichtenalm angekommen stellte sich anhand der gewohnten Begleitflora der alpinen Magerrasen sehr schnell heraus, dass die Bergorchideen mit ihren Blühzeiten aufgrund der weit in den Mai hineinreichenden Wintereinbrüche offensichtlich weit zurück sind. Zwar gab es ein paar Mückenhändelwurz und Brandknabenkraut in Knospe, einige Höswurz in voller Blüte, ebenso die Grüne Hohlzunge, von Roten oder Schwarzen Kohlröschen aber weit und breit keine Spur. Weit oben auf der Alm, auf einer karstigen Felsrippe mit Magerrasen entdeckte ich sie dann: Das Widdersche Kohlröschen (Nigritella widderi), welches von allen Kohlröschen das seltenste ist und in Bayern nur an ungefähr 10 Standorten mit wenigen Exemplaren vorkommt. Der Fund kam der berühmten Nadel im Heuhaufen gleich - das heißt, besagte Nadel ist wahrscheinlich leichter zu finden. Entsprechend groß war die Freude und auch die Hitzestrapazen des Rückweges haben sich gelohnt!

Hier ein paar Aufnahmen von Umgebung und Pflanzen:

Die Feichtenalm im Juni 2016

Auf der Feichtenalm; Blick Richtung Westen zum Mangfallgebirge mit Wendelstein

Weiße Höswurz (Pseudorchis albida)

An karstigen Felsrippen hat sich die alpine Magerrasengesellschaft erhalten, da diese Bereiche von den Kühen gemieden werden. Blick Richtung Spitzstein.

Und hier fand ich sie dann: Widdersches Kohlröschen (Nigritella widderi) in einem einzigen Exemplar!

Die Weitwinkelaufnahme belegt den Standort und zeigt, welch ein Glück so ein seltener Fund ist!

Wer genauer nachlesen möchte: Es gibt ein paar sehr instruktive Seiten z.B. des AHO Bayern oder die private Seite Orchis.de mit zahlreichen weiteren Verweisen, ebenso das wegweisende Standardwerk des AHO "Die Orchideen Bayerns".

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